{"id":9,"date":"2021-12-17T14:57:50","date_gmt":"2021-12-17T13:57:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.restposten-recordings.com\/abwv\/?p=9"},"modified":"2021-12-17T20:42:31","modified_gmt":"2021-12-17T19:42:31","slug":"freiheit-ohne-solidaritaet-ist-nichts-als-egoismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abwv.org\/?p=9","title":{"rendered":"Freiheit ohne Solidarit\u00e4t ist nichts als Egoismus."},"content":{"rendered":"\n<p>An den vergangenen Wochenenden wurden in Greiz als \u201eSpazierg\u00e4nge\u201c beworbene Demonstrationen gegen die Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie durchgef\u00fchrt. Dabei versammelten sich bis zu&nbsp;1500 Menschen zu unangemeldeten Aufm\u00e4rschen. Extrem rechte Gruppen und Parteien wie die \u201eFreie Sachsen\u201c, der \u201eIII. Weg\u201c, die \u201eNeue St\u00e4rke\u201c, diverse lokale Neonazis, Antisemit:innen, Reichsb\u00fcrger:innen und Verschw\u00f6rungsanh\u00e4nger:innen tragen und organisieren die Versammlungen ma\u00dfgeblich mit. Offensiv werden gef\u00e4hrliche Ideologien verbreitet \u2013 sowohl im digitalen als auch im \u00f6ffentlichen Raum \u2013 und bleiben dabei unwidersprochen. Ein Gro\u00dfteil der &#8222;Spazierenden&#8220; skandiert Parolen, die suggerieren, dass in Deutschland eine Diktatur herrschen w\u00fcrde. Falschmeldungen und Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen werden unhinterfragt als faktenbasierte Wahrheit aufgenommen und weiterverbreitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit wachsender Sorge und uneingeschr\u00e4nktem Unverst\u00e4ndnis beobachten wir die zunehmende Radikalisierung der heterogenen Gruppe, sowohl auf der Stra\u00dfe, als auch in den sozialen Netzwerken. Unabh\u00e4ngig davon, wie sich die Teilnehmenden politisch selbst verorten, ist eindeutig festzustellen, dass sie den Boden der demokratischen Gesellschaft verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die pandemische Lage ist ernst \u2013 insbesondere im Landkreis Greiz. Den Teilnehmenden scheint die Ernsthaftigkeit der derzeitigen Situation nicht bewusst zu sein. Oder schlimmer: Sie ignorieren sie absichtlich. Bei anhaltend hohen Inzidenzwerten und einem \u00fcber dem Limit arbeitenden Gesundheitssystem zeugt dieses Verhalten von Realit\u00e4tsverweigerung und einer zutiefst unsolidarischen Haltung der Teilnehmenden gegen\u00fcber ihren Mitmenschen. Uns ist bewusst, dass wir mit diesem Brief die \u201eSpazierg\u00e4nger:innen\u201c vermutlich nicht erreichen werden. Das ist auch nicht unser Anliegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir richten uns an die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit. An die Menschen, die sich, wenn auch oft z\u00e4hneknirschend, solidarisch zeigen und ihren Teil dazu beitragen, das Pandemiegeschehen einzud\u00e4mmen. Niemandem bereiten die Einschr\u00e4nkungen Freude. Wir alle haben Einschnitte im beruflichen und privaten Bereich dulden m\u00fcssen. Wir alle halten einzelne Ma\u00dfnahmen und politische Entscheidungen f\u00fcr streitbar und kritikw\u00fcrdig und bringen das auch im \u00f6ffentlichen und privaten Raum zum Ausdruck. Dennoch sind wir sicher, dass Ma\u00dfnahmen n\u00f6tig sind, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Wir leisten unseren Beitrag, um weitere Todesopfer, Triage und Long-Covid zu verhindern und eine \u00dcberlastung des Pflegepersonals abzumindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir begr\u00fc\u00dfen die Positionierung der Stadt gegen die sogenannten \u201eSpazierg\u00e4nge\u201c und erwarten, dass den Worten k\u00fcnftig auch Taten folgen \u2013 nicht nur in Greiz.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfe Mehrheit an Menschen verh\u00e4lt sich solidarisch und folgt den fundierten Einsch\u00e4tzungen anerkannter Wissenschaftler:innen. Diese gilt es zu st\u00e4rken. Die Zeit, f\u00fcr Menschen Verst\u00e4ndnis zu zeigen und Br\u00fccken zu bauen, die den Boden der Verfassung l\u00e4ngst verlassen haben, muss enden. Eine aufgekl\u00e4rte demokratische Gesellschaft ben\u00f6tigt gerade in Krisenzeiten den Diskurs \u00fcber Entscheidungen. Jeder und jede kann seine oder ihre Meinung frei \u00e4u\u00dfern. Politische Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen, sollen und m\u00fcssen jederzeit \u00f6ffentlich kritisierbar sein und einer juristischen und wissenschaftlichen \u00dcberpr\u00fcfung standhalten. Das kennzeichnet eine Demokratie und macht sie st\u00e4rker.<\/p>\n\n\n\n<p>Kritik und Diskurs kommt an Grenzen, wenn mit Menschen verhandelt wird, die Wissenschaft, Medien und Politik von vornherein delegitimieren und sogar die grundlegenden Regeln des Zusammenlebens infrage stellen. Nicht wenige Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubige tun genau das \u2013 mit realen fatalen Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Dauerfeuer aus Telegram-Kan\u00e4len und Youtube-Expert:innen, auch im Zusammenspiel mit den Algorithmen der sozialen Netzwerke, radikalisiert sich ein nicht geringer Teil der Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigen, wird zunehmend unerreichbar f\u00fcr Fakten und Realit\u00e4t und w\u00e4hnt sich in einem finalen Endkampf. Gewaltbereitschaft gegen Polizei und politische Gegner:innen, Mordaufrufe, Fackelm\u00e4rsche vor den Wohnh\u00e4usern von Politiker:innen, der versuchte Sturm auf den Reichstag oder der Mord an einem jungen Tankstellenmitarbeiter in Idar-Oberstein belegen, dass die Bedrohungen real sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus unserer Sicht ist eine deutliche Distanzierung von Feinden der Demokratie und \u00fcberzeugten Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigen im \u00f6ffentlichen Raum notwendig. Wer wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert, wer offensichtliche Falschaussagen verbreitet, wer zu Hass und Gewalt f\u00fchrende Mythen vertritt, der hat zum \u00f6ffentlichen Diskurs nichts Konstruktives beizutragen. Das Zerrbild und das Gerede von einer gespaltenen Gesellschaft, befeuert von einer marginalen Minderheit von Rechten, Verschw\u00f6rungsgl\u00e4ubigen und \u201eSpazierg\u00e4nger:innen\u201c, wollen wir nicht weiter ertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen, die den \u201eSpazierg\u00e4ngen\u201c ablehnend gegen\u00fcberstehen, m\u00f6chten wir hiermit ermutigen, \u00f6ffentlich Stellung zu beziehen. Ein wahrnehmbarer Widerspruch kann dabei helfen, die Dynamik zu durchbrechen und beraubt die wenigen \u201eSpazierg\u00e4nger:innen\u201c zugleich der M\u00f6glichkeit, sich als Ausdruck einer schweigenden Mehrheit zu stilisieren. Hinterfragen Sie im privaten Bereich, im Alltag, im Familien- und Arbeitskontext die Erz\u00e4hlungen und Pandemieverharmlosungen und bleiben Sie im Gespr\u00e4ch. Das kostet Kraft und Zeit, f\u00fchrt vielleicht zu Streit und unangenehmen Situationen. Es scheint aber die einzige M\u00f6glichkeit zu sein, noch nicht vollst\u00e4ndig radikalisierte Menschen f\u00fcr den demokratischen Diskurs zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeigen wir uns solidarisch und gehen wir gest\u00e4rkt durch diese Krise. Die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und k\u00fcnftig zu erwartenden Umw\u00e4lzungen erfordern von uns allen Anstrengungen, die wir nur gemeinsam bew\u00e4ltigen. Solidarit\u00e4t, Freiheit und Gerechtigkeit sind dabei unverzichtbare und gleichrangige Werte. <strong>Freiheit ohne Solidarit\u00e4t ist nichts als Egoismus.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>>>> Unterzeichnen Sie diesen offenen Brief auf change.org unter <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/chng.it\/6ypCjXFdNp\" target=\"_blank\">https:\/\/chng.it\/6ypCjXFdNp<\/a> &lt;&lt;&lt;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Antifaschistisches B\u00fcndnis f\u00fcr ein weltoffenes Vogtland<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/abwv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Freiheit-ohne-Solidarita\u0308t-ist-nichts-als-Egoismus.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Download als PDF<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Share-Pic:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/abwv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/sharepic-1024x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-36\" srcset=\"https:\/\/abwv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/sharepic-1024x1024.png 1024w, https:\/\/abwv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/sharepic-300x300.png 300w, https:\/\/abwv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/sharepic-150x150.png 150w, https:\/\/abwv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/sharepic-768x768.png 768w, https:\/\/abwv.org\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/sharepic.png 1134w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An den vergangenen Wochenenden wurden in Greiz als \u201eSpazierg\u00e4nge\u201c beworbene Demonstrationen gegen die Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie durchgef\u00fchrt. 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Mit wachsender Sorge und uneingeschr\u00e4nktem Unverst\u00e4ndnis beobachten wir die zunehmende Radikalisierung der heterogenen Gruppe, sowohl auf der Stra\u00dfe, als auch in den sozialen Netzwerken. Unabh\u00e4ngig davon, wie sich die Teilnehmenden politisch selbst verorten, ist eindeutig festzustellen, dass sie den Boden der demokratischen Gesellschaft verlassen. Die pandemische Lage ist ernst \u2013 insbesondere im Landkreis Greiz. Den Teilnehmenden scheint die Ernsthaftigkeit der derzeitigen Situation nicht bewusst zu sein. Oder schlimmer: Sie ignorieren sie absichtlich. 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